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Googles Gnade


"Googles Gnade" - SEO - Suchmaschinenoptimierung und Online - Marketing mit Spaß und Erfolg

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Leseprobe des neuen Buches "Googles Gnade" Erscheinungsdatum 15.07.2010. ISBN 9783000314339 - Verlag Jakobsweg live - 131 Seiten - € 9,90

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Googles Gnade

Semedé fühlte sich einsam und alleingelassen. Sie beobachtete das rege Treiben um sich herum, das sogar hier in der Region der verlorenen Seiten hektisch und rastlos war. Sie war traurig und wandte sich ab. Mit hängendem Kopf bewegte sie sich in eine dunklere Gegend des kalten Cyberspace. Sie wollte nur noch ihre Ruhe haben. An einem Haufen veralteter Algorithmen und Programmcodes machte sie halt und setzte sich. Sie schaute in die Ferne, wo sie die blinkenden Farbdioden und Klickzähler bei ihrer Arbeit wusste. „Sie schlafen und ruhen nie“, seufzte sie leise.
Semedé nahm den ständigen Luftzug der großen Gebläse vom Kraftwerk wahr und wunderte sich, warum dieser sogar bis in diesen verlorenen Winkel reichte. Sie schaute in eine düstere Weite, die sie an Informationen ihrer Freundin Wiki erinnerte – über ein sogenanntes Universum, dessen Unendlichkeit sprichwörtlich sein sollte. Der große Unterschied zu ihrer Umgebung war allerdings, dass die Lichtpunkte in diesem Universum sich unsagbar langsam bewegen sollten.
„Ach“, stieß Semedé einen wiederholten Seufzer aus, „wieso bloß immer dieses wahnsinnige Treiben in dieser großen Hektik. Ich wünschte mir die Langsam-keit dieses Universums.“
Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, da bewegte sich plötzlich etwas unter ihr und Semedé sprang erschrocken auf. Sie drehte sich um und suchte den Gerümpelhaufen ab – nichts! Außer einigen, dämmrig-blinkender Pixelpunkte war nichts zu entdecken. Dann vernahm sie eine Stimme.
„Hallo? Wer ist denn da? Wie kommst du denn hierher?“, tönte es aus dem Haufen. Aber so sehr Semedé sich auch bemühte, sie konnte nichts entdecken. Sie zuckte mit den Schultern und vermutete, eine funktionsgestörte, hyperaktive W-LAN-Verbindung sei am Werk.
„Die guten alten Zeiten waren wirklich ruhiger“, tönte es erneut. „Ich vermisse sie so sehr. Aber sie kommen nie wieder.“
„Wer quasselt denn da so blödes Zeug?“, erwiderte Semedé verärgert und suchte erneut nach der Sprachausgangsquelle.
„Hallo, junges Fräulein. Ein bisschen mehr Anstand und Respekt, wenn ich bitten darf!“, klang die Stimme nun etwas bestimmter.
Semedé rückte ganz nah an den Haufen und versuchte, etwas zu erkennen.
„Ihr modernen Dinger könnt eine geniale Pro-grammierung nicht mal erkennen, wenn sie direkt vor eurer Programmzeile rumhüpft", ertönte es energisch. Semedés Neugierde war nun geweckt und sie konzentrierte sich auf eine winzige Lichtquelle.
„Bist du der kleine, mickrig blinkende Pixelbalken da?“, fragte sie.
„Unverschämtheit!“, tönte es. „Ich bin kein blinken-der Pixelbalken. Du hast wohl im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst, was?“
„Wer bist du dann?“, fragte Semedé, die nun von der unbekannten, energischen Stimme eingeschüchtert war.
„Ich bin der Commodore!“, sagte der blinkende Pixelbalken, der nun nervös auf und ab hüpfte. Der Klang seiner Stimme erweckte den Eindruck, man müsse auf der Stelle salutieren; und so zeigte sich Semedé auch sichtlich beeindruckt.
„Du bist nur eine Ansammlung von Pixel und hast trotzdem eine Sprachausgabe – ähm – und dann auch noch eine so kräftige?“, versuchte sie den Satz nett zu formulieren.
„Du brauchst gar nicht so höflich zu tun“, erwiderte der Commodore. „Ich weiß, dass ich für euch modernen Dinger nur eine Displayanzeige bin – und eine ziemlich grobkörnige noch dazu. Aber ich bin etwas Besonderes – ein Einzelstück sozusagen.“
Semedé hörte aufmerksam zu und dachte sich: „Dieser hüpfende Pixelbalken scheint ja noch ärmlicher dran zu sein als ich.“ Und ohne dass sie etwas sagte, fuhr der Commodore fort: „Ich bin zwar sehr alt und schon grau zur Welt gekommen, aber mein Befesch war ein Bastler der ersten Stunde und hat mir einige Hightech-Komponenten spendiert.“
„Oh – die hat er dann aber gut versteckt“, wollte Semedé antworten, aber sie entschied sich nett zu bleiben: „Was ist ein Befesch?“, wollte sie wissen.
„Wie? Ein Befesch eben“, stammelte der Commodore verwundert. „Der, der die Programme schreibt, damit wir etwas ausführen – der Befehlsschreiber eben.“
Semedé verstand nicht, was der Commodore sagte, aber sie bemerkte, wie sich nun um seinen hüpfenden Pixelbalken eine dunkle und schließlich schwarze Mattscheibe bildete, die sie vorher nicht wahrge-nommen hatte.
„Du bist ja größer, als ich dachte“, sagte sie.
Der Pixelbalken hüpfte aufgeregt auf und ab.
„Tja, dreizehn Zoll sind dreizehn Zoll“, antwortete er stolz. Semedé musste sich zurückhalten und wollte gerade fragen, warum die Ecken seiner Mattscheibe so seltsam nach innen gebogen waren, doch dann dachte sie, es sei vielleicht ein Virus – und darauf wollte sie den Commodore nun doch lieber nicht ansprechen.
„Was machst du eigentlich hier in dieser verlassenen Gegend?“, wollte er wissen. „Hierher verschlägt es doch sonst nur Format-C-Müll und verlorene Daten-pakete?“
Semedé wurde traurig und ihre Pixelpunkte dunkler.
Sie hatte keine Lust, diesem alten Kauz von ihren Problemen zu erzählen. Sie hatte hier ja eigentlich nur Ruhe gesucht.
„Ist dir deine Sprachprogrammierung verloren gegangen?“, fragte der Commodore, und nach einer kurzen Pause fügte er sanft hinzu: „Ich bin ein guter Zuhörer.“ Bei diesen Worten wurde Semedé wieder aufmerksam. „Ein guter Zuhörer.“ Wann hatte sie das zum letzten Mal gehört. Wer wollte denn noch wirklich zuhören, in dieser multidimensionalen Cyberhektik-Megabit-Ich-muss-der-Schnellste-sein-Ge- sellschaft, in der das Wort Stillstand nicht mehr existierte. Semedé schaute auf und sah nur einen blinkenden Pixelpunkt auf einem verbogenen Display – der Commodore schwieg.
„Ich verstehe diese Welt nicht mehr“, seufzte sie.
„Oh, Kindchen, kleiner hast du es wohl nicht? Etwas genauer wäre schon toll.“
„Ich bin geschaffen worden von einer höheren Intelligenz, die durch mich die User auf der ganzen Welt ansprechen möchte, sich ihrer inneren Energie und Intuition anzuvertrauen und so ein erfülltes, liebevolles und glückliches Leben zu führen.“
„Halt! Halt! Halt!“, unterbrach der Commodore energisch, „kleiner bitte! Was ist dein Problem?“ Semedé senkte ihr Display und sagte kleinlaut: „Mein Page Rank ist zu niedrig.“
„Dein was ist zu niedrig?“, erwiderte der Commo-dore.
„Mein Page Rank. Ich habe mir alle Mühe gegeben, aber Google mag mich scheinbar nicht.“
„Was um Gottes willen ist denn ein Page Rank und wer zum Henker ist dieser Google? Kindchen, was kennst du denn für Ausdrücke?“ Der Commodore rang um Fassung.
„Der Page Rank Algorithmus sagt etwas über die Qualität und Quantität deiner Usertraffics aus. Alle Infos wie zum Beispiel HTML-Code, DocType, die Anzahl deiner Backlinks sowie die Länge deiner Meta Description werden hier analysiert und ausgewertet.“ Der Commodore musste sich einen Moment sammeln.
„War dein Befesch während deiner Programmierung bekifft oder was? Das versteht ja keine Sau, was du da von dir gibst.“ Semedé wurde durch die Worte des Commodores aus ihrer leichten Lethargie geweckt und erkannte, dass er kein einziges Wort verstanden hatte.
„Du treibst dich wohl schon länger in dieser verlassenen Gegend herum“, sagte sie. „Vielleicht sollte ich dir erst einmal einiges zeigen, damit du etwas klarer siehst.“
„Witzige Metapher“, erwiderte der Commodore. „Du kannst mir gerne ein paar neue Datenpakete übermitteln – wenn sie nicht zu groß sind. Ich werde sie dann verarbeiten – wenn sie nicht zu groß sind und sie in meiner Datenbank ablegen – wenn ...“
„Ja, ja. Wenn sie nicht zu groß sind, ich weiß“, fiel ihm Semedé ins Wort. „Du kannst dir die Infos aber auch gleich selbst ansehen. Das ist wohl wesentlich einfacher, meinst du nicht?“
„Ja, klar. Können vor Lachen“, sagte der Commo-dore.
„Können vor Lachen?“, wiederholte Semedé, „was soll das denn heißen?“
„Ist so ein Spruch aus der guten alten Zeit, abgeleitet von dem Witz mit den Keksen.“
„Kekse?“, stammelte Semedé und dachte, ihr Ausdruck allein würde schon genügend Erklärungs-bedarf einfordern. Der Commodore räusperte sich und sagte: „Fragt ein Kind: 'Mama, darf ich Kekse haben?' – 'Klar', antwortet die Mutter, 'nimm dir welche.' Sagt das Kind: 'Die Kekse stehen aber auf dem Schrank.' – 'Ja', sagt die Mutter, 'nimm dir welche.' – 'Aber Mama, ich hab doch keine Arme.' Antwortet die Mutter: 'Tja, Kind. Ohne Arme keine Kekse.'“
„Das ist doch geschmacklos“, sagte Semedé in das Gelächter des Commodores. „Und es ist obendrein nicht hilfreich – was willst du damit überhaupt sagen?“
„Zum Glück bin ich ja nicht so empfindlich“, antwortete der Commodore. „Genauso geschmacklos könnte ich es nämlich finden, wenn du zu mir sagst, ich solle mir etwas ansehen.“ Semedé wurde unsicher.
„Soll das heißen, du kannst nicht – sehen?“
„Bei dir klingt das so mitleidvoll“, wunderte sich der Commodore. „Als könnten wir hier ...“ Er machte eine Pause und fügte dann mit leiser Stimme hinzu: „Kannst du etwa ...? Nein! Das kannst du nicht! Wir können nicht ...? Können wir doch nicht, oder?“
Semedé tat der alte Commodore so leid, dass sie einen Moment um Fassung rang.
„Entschuldige bitte. Das hab ich nicht gewusst.“
„Ja, ja. Schon gut. Ist ja nicht so schlimm“, erwiderte der Commodore und sein Pixelbalken sprang wie wild auf und ab. „Soll das heißen, du kannst ...?“
„Ja, ich kann ...“, antwortete Semedé peinlich berührt.
„Wow! Wie geht das denn?“, begeisterte der Commodore sich und senkte sofort wieder seine Stimme. „Dann bist du etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges. Jetzt verstehe ich auch, warum du gesagt hast, du seist von einer höheren Intelligenz geschaffen worden. Entschuldige bitte, ich hab das nicht ernst genommen.“ Sein Tonfall klang nun fast ehrfürchtig. Semedé musste innerlich grinsen, aber es war ihr peinlich, von dem alten Commodore so vergöttert zu werden.
„Sag, wer hat dich geschaffen?“, wollte er wissen.
„Ein junger Informatikstudent“, versuchte Semedé das Thema etwas herunterzuspielen. Sie erreichte genau das Gegenteil.
„Ein Student?“, brach es aus dem Commodore her-aus.
„Ja. Aber ein sehr talentierter natürlich.“
„Ein Student?“, er konnte es nicht fassen. Semedé wollte unbedingt aus dieser peinlichen Situation heraus, wusste aber nicht wie. Dann fiel ihr ihre Freundin Wiki ein, die immer Rat wusste. So startete sie eine Anfrage, ob und wo es Hilfe für den alten Kauz geben könnte. Die Antwort dauerte ungewöhnlich lange, und als Semedé schon an einen Übertragungsfehler dachte, erhielt sie eine kurze, knappe Information mit einem Link, der zum Computermuseum führte.
„Das muss ich dem alten Kauz jetzt nicht sagen“, dachte sie sich und verfolgte den Link. Sie stellte erneut ihre Anfrage und erhielt prompt ein kleines Datenprogramm und ein kleines Symbol. Als sie das Symbol öffnete, erklang ein schallendes Gelächter.
„Wer lacht denn da?“, fragte der Commodore, der immer noch versuchte, seine Fassung wieder zu erlan-gen.
„Niemand. Nur ein blöder Scherz“, antwortete Semedé und öffnete das Datenprogramm. „Ah, damit können wir doch etwas anfangen.“ Dann wandte sie sich dem Commodore zu: „Welche Schnittstelle nutzt du zur Kommunikation?“
„Ich hab ein Fünfeinviertel-Zoll-Schwabbellaufwerk“, antwortete er.
„Mach keine Witze! Ich will dir doch nur helfen“, erwiderte Semedé. „Was nutzt du zur Datenfernüber-tragung?“
„Oh, ja. Datenübertragung. Das hab ich auch mal gemacht. Dazu habe ich einen Akustikkoppler für den Telefonhörer benutzt.“
„Nein. In echt jetzt“, sagte Semedé, die sich langsam nicht mehr sicher war, ob der Commodore wirklich nur scherzte. „Ich gehe ja nicht davon aus, dass du eine Funk- oder Infrarotschnittstelle besitzt, aber einen USB-Anschluss oder irgendein Modem-Port wirst du doch haben?“
„Irgendwann erklärst du mir mal, was diese Worte bedeuten“, sagte der Commodore. „Ich besitze eine serielle Schnittstelle mit einer Sechs-Pin-Buchse.“ Es hatte den Anschein, als würden die beiden unterschiedliche Sprachen sprechen. Semedé startete erneut eine Anfrage an die Scherzkekse vom Computermuseum und erhielt diesmal eine kurze Bauanleitung für eine Art Adapterstecker. Ersatzteile älterer Generationen zu finden, war in dieser Gegend gar kein Problem – man stolperte förmlich drüber. Und nachdem Semedé neben den nötigen Kabel- und Steckerresten auch noch eine alte Webcam gefunden hatte, bereitete sie sich und den Commodore auf eine kleine Operation vor.
„Was hast du vor?“, wollte der Commodore wissen.
„Vertrau mir“, antwortete Semedé knapp und machte sich über den alten grauen Brotkasten her. „Zuerst spiele ich dir das Plug-in ein. Dann bekommst du die Webcam angeschlossen und dann wirst du schon sehen – im wahrsten Sinne des Wortes.“
„Hält sich wohl für den lieben Gott, die Kleine“, dachte der Commodore, aber es gefiel ihm, wie Semedé an ihm herumbastelte. Dann wurde ihm plötzlich schwindelig und er verlor eine Millisekunde lang das Bewusstsein.
„Wow! Was war denn das?“, stammelte er.
„Das war der Programmtreiber für die Webcam. Ich habe die Übertragungsrate auf ein Minimum gestellt, aber selbst das war wohl noch etwas zu schnell für dich, was?“, amüsierte Semedé sich und begann die Webcam anzuschließen.
„So“, sagte sie eine Minute später, „und? Wie ist es?“
„Wie ist was?“
„Na, du solltest jetzt eigentlich etwas sehen können.“
„Kindchen, leidest du unter Größenwahn?“, sagte der Commodore. „Du bastelst fünf Minuten an mir rum und ich soll sehen können? Meintest du das so?“
„Versteh´ ich nicht“, murmelte Semedé. „Es sollte eigentlich funktionieren. Ach ja, man muss dich noch reseten.“
„Nicht auf den Res ...“ Weiter kam er nicht. Seine Mattscheibe verdunkelte sich und einen Moment lang passierte gar nichts. Dann machte sein Laufwerk ein krächzendes Geräusch und seine Mattscheibe erwachte wieder halbwegs zum Leben. Es dauerte eine Ewigkeit, bis der Pixelbalken wieder erschien. Gleichzeitig leuchtete die Funktionslampe der Webcam auf.
„Du blöde K ...“, gab er von sich. Dann hörte man ein knackendes Geräusch und der alte Commodore machte keinen Mucks mehr. Kleine Rauchschwaden krochen aus seinem grauen Gehäuse und Semedé blickte erschrocken.
„Mist, jetzt hab ich ihn gekillt“, zischte sie. „Was ist das aber auch für ein empfindlicher Brotkasten.“ Einen Moment lang dachte sie daran, ihn hier liegen zu lassen, aber dann tat er ihr leid, wie er da so vor sich hin qualmte.
Wieder startete sie eine Anfrage an das Computermuseum. Diesmal musste sie eine ganze Weile warten, bis sie von einer speziellen Abteilung eine Reparaturanleitung erhielt. Das Symbol mit dem Gelächter war auch wieder dabei, aber sie öffnete es erst gar nicht, sondern machte sich gleich an die "Operation Commodore“. Es gelang ihr, die verschmorten Kabel auszutauschen und einen Schaden auf der Hauptplatine zu beheben. Dann spendierte sie seinem Bios ein Uralt-Upgrade, das sie selbst noch etwas modifizierte, und schüttelte ihr Display beim Anblick seiner vorsintflutartigen Ausstattung. Nach einigen kleinen Optimierungen war es geschafft. Semedé hoffte, den Commodore gerettet zu haben. Als sie ihn wieder hochfuhr, schaltete sich zunächst ein Kontrollprogramm ein. Sein Laufwerk krächzte, die Mattscheibe gab die ersten Leuchtzeichen von sich und auch die Webcam zeigte Funktion an. Als sich der Pixelbalken, der nun heller erschien, zeigte, dachte Semedé an einen Fehler im Audiomodul des Commodores, denn er gab keinen Ton von sich. Der Balken auf seiner Mattscheibe schwebte förmlich. Von den vorher hektischen Bewegungen war nichts zu erkennen.
„Hallo? Commodore?“, versuchte Semedé eine erste Kontaktaufnahme. „Kannst du mich hören?“
„Ja“, war die kurze Antwort.
„Kannst du mich auch sehen?“
„Ja. Ich kann dich sehen“, sagte er langsam und mit einem Lächeln in seiner Stimme. Semedé machte sich Sorgen, denn der Commodore schien nicht ganz bei sich zu sein.
„Weißt du auch, wo du bist?“, fragte sie ihn.
„Na klar weiß ich das“, antwortete er in einem ruhigen, zufriedenen Ton. „Ich bin im Himmel und du bist ein Engel.“
„Aber nein“, antwortete Semedé verwundert, „du bist nicht im Himmel. Du bist dort, wo du auch vor deinem Systemausfall warst und ich bin ... naja, also ich bin kein ..., auch wenn ich vielleicht so aussehe ...“
„Also. Egal wohin ich mich wende“, freute der Commodore sich und schwenkte dabei seine Mattscheibe, „ich sehe in eine Universum ähnliche Weite, nur dass sich hier alles viel schneller bewegt. Ich sehe Lichtbögen vorbeirasen und kann Farbwellen sehen, die es – und da bin ich mir sicher – real gar nicht gibt. Und wenn ich dich so ansehe, habe ich keinen Zweifel – ich bin im Himmel.“ Er machte einen tiefen Atemzug und grinste zufrieden über seine Dreizehn-Zoll-Diagonale.
„Du hattest einen totalen Systemausfall, und ich habe dir ein paar Updates spendiert. Das ist alles“, versuchte Semedé die Situation zu erklären.
„Nee, is´ klar“, antwortete der Commodore.
„Aber das IST die Wahrheit“, versuchte sie es erneut. Er hatte sich abgewendet und schaute neugierig in alle Richtungen. Semedé wandte sich noch mal der Reparaturanweisung zu, um zu prüfen, ob sie vielleicht einen Fehler gemacht hatte. Dabei fiel ihr das Datenblatt des Commodores auf: 0,98 MHz, 64 KB Arbeitsspeicher – Hauptspeicher nicht vorhanden –, Display … 16 Farben.
„Um Gottes willen, was hab ich da gemacht?“, stieß sie aus. „Wie kann er nur mit solchen Werten – und die haben dieses Wort nicht einmal verdient – existieren? Kein Wunder, dass er sich hier im Himmel glaubt.“ Sie überlegte, wie sie ihm seine Situation klarmachen konnte – wenn überhaupt. Als er von seiner kleinen Entdeckungstour zurückkam, schaute sie in eine tief zufriedene, fast selig dreinblickende Mattscheibe. Semedé konnte und wollte ihm das nicht nehmen und so entschloss sie sich fürs Erste, dem Commodore seinen Himmel zu lassen.
Die beiden zogen gemeinsam eine ganze Weile umher. Der Commodore immer um einige Längen voraus, neugierig zu erfahren, was sich hinter der nächsten Biegung auftat. Er konnte sich nicht sattsehen und drehte sich nach jedem Datenpaket, jeder Webseite und jedem Programmroboter um, die alle in einem rasenden Tempo an ihm vorbeisausten. Er versuchte sogar, sie zu grüßen, aber dafür waren sie zu schnell – oder er zu langsam. An einem Glasfaserkabel blieb er stehen und schaute wie hypnotisiert auf das sich wandelnde Farbenspiel.
„Was für ein Farbspektrum“, staunte er.
„Gute sechzehn Millionen Farben und eine Übertragungsrate von über sechshundert Gigabyte pro Sekunde“, kommentierte Semedé gelangweilt.
„Wow!“, staunte der Commodore, „Himmel? Find´ ich toll.“ Es hatte den Anschein, dass, selbst wenn man ihm den Hauptstecker gezogen hätte, das Grinsen auf seiner Mattscheibe überdauert hätte.
Trotz seiner überschwänglichen Euphorie blieb ihm nicht verborgen, dass seine neue Freundin die genau gegensätzliche Laune zu haben schien. Und nachdem er sich nun ein kleines Stück seines vermeintlichen Himmels angesehen hatte, wandte er sich Semedé zu.
„Es ist so wundervoll hier, obwohl ich es mir anders vorgestellt hatte. Ich dachte immer, im Himmel würde man alles, was man sieht, auch gleich verstehen. Aber das hier ist – wundervoll! Aber einiges von dem hier gibt mir Rätsel auf“, sagte der Commodore und ließ seinen Blick wieder in die Ferne schweifen.
„Es ist nicht der Himmel“, antwortete Semedé mit leicht genervtem Unterton und fügte leise hinzu: „Ich fühle mich hier eher genau in der anderen Abteilung.“
„Das ist eines der Dinge, die ich nicht verstehe. Ich habe noch nie von schlechtgelaunten Engeln gehört.“
„Ich bin kein ...“ Semedé brachte den Satz nicht zu Ende. „Hat eh keinen Sinn“, dachte sie.
„Ich verstehe nicht, wie jemand wie du so traurig sein kann“, bohrte der Commodore weiter. „Du strahlst vor dich hin, du bist wunderschön, und ich kann nur erahnen, was du so alles kannst.“
„Wenn du wüsstest“, erwiderte Semedé. „Genau das ist ja mein Problem.“ Die beiden waren in die Nähe eines Knotenpunktes gekommen, wo Datenpakete und Suchanfragen in unvorstellbarer Dichte und Geschwindigkeit angerauscht kamen, um dann, wie von Geisterhand, in unverändertem Tempo in verschiedene Richtungen weitergeleitet wurden.
„Da! Siehst du die ganzen Anfragen?“, fragte Semedé und zeigte auf das bunte Treiben. „Da werden Suchbegriffe mit den entsprechenden Suchergebnissen verbunden.“
„Das ist auch etwas, was ich nicht verstehe“, sagte der Commodore und schaute gebannt auf das hektische Treiben. „Warum herrscht hier im Himmel so eine Eile? Die müssten hier doch ganz viel Zeit haben?“
„Geschwindigkeit ist hier zum Gesetz geworden“, erklärte Semedé. „Es geht nur noch darum, in möglichst kurzer Zeit die Anfragen der User mit dem entsprechenden Content im Internet zu verbinden. Dazu rasen die Roboter der Suchmaschinen permanent über die Internetseiten, um sie nach deren Inhalt zu scannen. Sie beachten dabei stur die ihnen einprogrammierten Vorgehensweisen, nach welchen Regeln sie welche Inhalte qualifizieren. Diese Regeln werden von Google bestimmt – und verdammt, DAS ist mein Problem. Google mag mich nicht.“ Der Commodore hatte nicht viel verstanden, aber die letzten Worte waren unmissverständlich. „Ah. Du hast Ärger mit dem Boss“, lächelte er.
„Was?“, entgegnete Semedé verständnislos, während sie sich langsam wieder von ihrem emotionalen Ausbruch erholte. „Entschuldige bitte, aber ich glaube, du hast keine Ahnung, von was oder wem ich hier spreche.“
„Wie denn auch, wenn du in Rätseln sprichst und Ausdrücke benutzt, die zu einer Sprache gehören, die ich nicht spreche!“ Diese Worte des Commodores holten Semedé wieder auf den Boden ihrer Realität zurück.
„Es tut mir leid“, sagte sie. „Ich war wohl nicht sehr fair zu dir. Was hältst du davon, wenn wir uns wieder ein ruhigeres Plätzchen suchen, wo wir ungestört reden können?“
Die beiden entfernten sich vom regen Treiben am Knotenpunkt und begaben sich in die Richtung, in der der Luftzug des großen Gebläses wehte. Über die kupferfarbenen Leiterbahnen eines großen, grünen Platinenplatzes führte der Weg in eine Zone, in der Speicherbausteine ihre lautlose Arbeit machten. Semedé und der Commodore suchten sich einen Platz aus, der von mehreren bunten LEDs in ein angenehmes Licht getaucht wurde.
„Das Internet“, begann Semedé, „ist zu einer gigantischen Datenrennstrecke geworden. Was in den siebziger Jahren als ein Projekt miteinander ver-bundener Rechnersysteme des Verteidigungsminis-teriums der USA begann, wurde bis in die achtziger Jahre hinein durch den Einsatz neuer Programm-software zu dem, was man heute das Internet nennt. Es ist aber nicht mehr mit den Anfängen vergleichbar. Die Entwicklung und der Fortschritt in der Datenüber-tragung, die Kapazitätssteigerungen in der Computer-technologie im Allgemeinen, sind als explosionsartig zu bezeichnen. Und die Entwicklung immer neuer, intelligenterer und schnellerer Hard- und Software verläuft progressiv.“
Semedé machte eine kleine Pause. Sie wandte sich dem Commodore zu. „Wenn ich bedenke, was sich auf diesen Gebieten in den letzten dreißig Jahren getan hat, ist es überhaupt kein Wunder, dass jemand wie du das hier für den Himmel hält. Man muss sich nur mal vorstellen, wie sich ein User fühlen würde, der zu deiner Zeit mit einem C64 oder einem vergleichbaren Personal Computer namens Atari gearbeitet hat, und dem man ein heutiges iPhone in die Hand drücken würde. Ein Computer mit interaktivem Touchscreen Display, 32 Gigabyte Haupt- und 256 Megabyte Arbeitsspeicher, überall internetfähig mit schneller UMTS-Funkverbindung, GPS Navigationsempfänger, drei Megapixel Kamera mit Akkulaufzeiten bis zu acht Stunden – und das bei einem Gewicht von 135 Gramm. Ach ja, telefonieren kann man damit natürlich auch noch.“
Der Commodore wurde bei dieser Aufzählung blass um seine Mattscheibe, aber er hörte weiter zu.
„Der Sinn und Zweck eines einzigen Gerätes mit all diesen Hightech-Merkmalen mag infrage gestellt sein, aber es zeigt die momentane Machbarkeit und den gigantischen Wandel zu den Anfängen der ersten PCs. Das Nutzen des Internets mit eben diesen Handys, oder auch entsprechend ausgerüsteten Notebooks, ist heute schon Normalität. Das damals statisch angelegte Internet ist mobil geworden – es wird überall auf der ganzen Welt und rund um die Uhr genutzt. Die täglich weltweit übertragene Datenmenge im Internet wird in wenigen Jahren die Grenze von über vierhundert Petabyte überschreiten. Diese Zahl entspricht der tausendfachen Datenmenge aller jemals auf der Welt in allen Sprachen geschrieben Bücher.“

Schweigen.

Selbst Semedé musste über ihre eigenen Worte und deren Bedeutung nachdenken – und dem Commodore rauchte die Hauptplatine.
„Bitte hör auf mit dem Technikkram, sonst löse ich mich noch in Minderwertigkeitskomplexen auf. Erzähl mir lieber etwas über diesen Google.“
„Google verfolgt mit seinen Webcrawlern Links im Internet und impliziert sie in seinen Suchindex, der vor zwei Jahren den Wert von einer Billion Internet-adressen überschritten hat. Mit seinen Webrobotern wiederum filtert Google diese Unmengen an Seiten, um sie nach einem geheimen Verfahren nach Relevanz in seinen Suchergebnissen einzusortieren.“
„Ich verstehe nicht, warum das so wichtig ist“, unter-brach der Commodore.
„Das Internet ist so umfangreich geworden, dass sich niemand mehr alleine zurechtfinden würde. Es gibt mehrere Billionen Internetseiten weltweit, die wiederum zahlreiche Unterseiten haben, die von knapp zwei Milliarden Internetnutzern besucht werden können. Google besitzt mittlerweile Unmengen an Daten und Einzelheiten von diesen Nutzern und über die Inhalte von rund achtzig Prozent aller Internetseiten. Google verbindet die Internet-nutzer mit deren Wunschinhalten aus dem Internet – denn Google weiß alles.“
„Ist Google Gott?“, fragte der Commodore nach einer kurzen Pause. Semedé lachte.
„Der Vergleich ist gar nicht so schlecht. Für das Internet könnte man das so sehen.“
„Und warum mag Google dich nicht?“ Semedés Ausdruck wurde wieder ernst.
„Wenn ich das wüsste“, antwortete sie traurig. „Meine Inhalte sind für jeden Internetnutzer von Relevanz – von großer sogar. Meine Botschaft ist an jeden Einzelnen gerichtet. Jeder Nutzer kann enorm von dem profitieren, was ich in Schrift und Wort berichte. Und auch optisch habe ich einiges zu bieten, oder?“
„Ich habe dir schon gesagt“, bestätigte der Commodore, „für mich siehst du aus wie ein Engel, und deine Stimme klingt auch so.“
„Ich lese jedem Besucher meine Texte vor, auf Wunsch mit verschiedenen Stimmen. Wenn du auf die Steine meiner Menüpunkte klickst, bewegen sie sich und machen Geräusche. Jedes Detail ist liebevoll in Handarbeit erstellt worden. Sogar die brennenden Kerzen sind animiert – sieht fast keiner, ist aber so. Und dann mein Meditations-Designer, auf dem sich jeder seine eigene individuelle Meditation zusammen-stellen und herunterladen kann. So was gibt es im ganzen Internet nicht.“ Jetzt wechselte ihr Display vom strahlenden Weiß in ein aschfahles Grau.
„Aber wenn dein Google die Relevanz und den Nutzen für die User hoch einschätzt, muss er dich doch mögen.“
„Ich habe alles versucht, damit Google mich mag“, antwortete Semedé kleinlaut. Sie tat dem Commodore leid.
„Na komm schon“, versuchte er sie zu trösten, „versink mir hier mal nicht in Selbstmitleid. Was hältst du denn davon, wenn wir ihn fragen?“
„Wen fragen?“
„Na, deinen Google. Wir suchen ihn und fragen nach, warum er dich nicht mag.“
„Du kannst Google nicht aufsuchen und ihn einfach so befragen.“
„Warum denn nicht? Lass es uns doch einfach ver-suchen“, sagte der Commodore und Neugierde kroch in ihm hoch. „Du hast doch eh´ nichts Besseres vor – und ich? Hey, ich bin im Himmel!“


Suchmaschinenoptimierung mit Witz, Charm und Googlemathie

Alle wollen ihn, die wenigsten kriegen ihn: einen Platz an der Google-Sonne – auf Seite 1 der Suchmaschinenergebnisliste.

Suchmaschinenoptimierung ist das Gebot der Stunde!

Um im Google-Index-Rang weit vorne zu strahlen, versuchen Unternehmen und Webseitenbetreiber so einiges – meist mit mäßigem Erfolg.

Das soll sich jetzt ändern: Werner Jakob Weiher weiß um die Lücken und Tücken des Suchmaschinenrankings – aus eigener bitterer Erfahrung. Er weiß, wie man Googles Gnade erlangt und was zu tun ist, um im Netz wirklich präsent zu sein. Denn Linkfarmen, kuriose Suchmaschinenoptimierungsangebote und andere Google-VerApple-Methoden sind es schon mal nicht, die eine gute Webseitenoptimierung ausmachen.

… denn Google sieht alles, hört alles – und ...

Google zieht seine Konsequenzen!

Und wenn Google Webseiten in den Sandkasten steckt, dann klingt das nicht nur im ersten Moment sandig.

Googles Gnade macht Suchmaschinenoptimierung (SEO) nun auch für Laien der Internetgesellschaft möglich –.mit Tipps, die wirklich funktionieren. Nicht etwa mit ödem Fachjargon, mit wild aneinandergereihten HTML-Codes oder unverständlichem IT-Blabla, sondern in Form einer sympathischen Erzählung.

… denn auch Semedé, eine moderne, innovative Webseite, hat so ihre Schwierigkeiten mit dem Big Boss der bunten Buchstaben … Google mag sie nicht. Auch sie muss hoffen – hoffen auf Googles Gnade. Und Hartnäckigkeit hat sich doch schon immer bezahlt gemacht, oder?

Weiher schafft es, hoch kompliziertes Expertenwissen rund um das Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) mit Witz, Charme und Googlemathie einem jeden SEO-Interessenten zugänglich zu machen – für Webseitenbetreiber mit hohen Zielen ein Muss!



Google und Co. entscheiden, welche Unternehmen gefunden werden

Unternehmen, die es geschafft haben, Google und Co. von sich zu überzeugen, sind ganz vorne mit dabei: Sie thronen auf Seite eins der Suchmaschinenergebnislisten. Auch, wenn das alleine noch keine Garantie für den weiteren Unternehmenserfolg ist, stellt es doch einen Bonus dar. Doch wie entscheiden Google und Co? Was sind die Kriterien und wie erfüllt man sie? Bestechung? Wohl eher nicht. Glück? Auch nicht! Content? Schon besser, das könnte funktionieren – zumindest, wenn es sich um wertvollen Content handelt.
"Googles Gnade" – Suchmaschinenoptimierung, die funktioniert

Werner Jakob Weiher weiß aus eigener bitterer Erfahrung: Google lässt sich nicht verApplen. Nur, wer nach Googles Regeln spielt, wird langfristig auch einen guten Page Rank erzielen können. Seine Erfahrungen, Missgeschicke und Fehlinterpretationen hat er nun in eine humorvolle Erzählung gepackt. Mit viel Fachwissen, einem stets zwinkernden Auge und einer gehörigen Portion Humor erzählt er die Geschichte von Semedé, einer modernen, innovativen Internetseite, die vom Big Boss der Internetsuchmaschinen, Google, einen derart schlechten Page Rank verpasst bekommt, dass sie im Netz der vielen Möglichkeiten einfach nicht gefunden wird. Und das will sie nicht auf sich sitzen lassen. Sie macht sich auf die Suche nach Google, um ihn persönlich nach seinem Geheimnis zu fragen. Dabei stößt sie nicht nur einmal auf die Irrungen und Wirrungen des World Wide Webs. Sie sieht Webseiten im Sandkasten spielen und macht Bekanntschaft mit altbekannten virtuellen Charakteren. Sie stellt fest, dass schizotypische Persönlichkeitsstörungen im Internet weiter verbreitet sind als andere Viren, und – dass Google so ganz anders ist, als man sich ihn hätte vorgestellt.


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